Archive for the 'Agonie' Category

Orangenaromen

5.November.2007

Normalerweise assoziiert man mit solchen Dufteindrücken Frische , Süden, Urlaub, auch wenn sie einen im eigenen Büro einnebeln.

Nämliches tat gerade unsere kleine Putzfrau aus dem Reich der Khmer, als sie meiner staubige Amtsstube mit flinke Putzlumpen temporär zu frischem Glanz verhalf. Seltsam nur, daß der kollektive nutzbare Abtritt um die Ecke mit dem Männchen-Symbol auf der Tür nach dem Putzdurchgang die gleichen auffälligen Aromen aufwies…

Eine genauere Recherche meinerseits am Putzwägelchen unserer fernöstlichen Raumkosmetikerin brachte dann auch zu Tage, daß sowohl die planstellenmäßige Ausrüstung eines jeden Mitarbeiters, als auch sämtliches Sanitärmobiliar wohl mit der ein und selben Putzausrüstung, sprich Lösung und Lappen, behandelt wurden.

Das Sommerloch

20.August.2007

hat mich verschlungen und es gibt eigentlich nichts, was in irgendeiner Weise erwähnenswert wäre.

Halt doch, der Höhepunkt des heutigen Tages war und wird bleiben, daß mich nach langer Zeit mein Chef in meiner Amtsstube besucht hat. Nicht etwa, daß er sich im Ansatz dafür interessiert hätte, ob und was hier gearbeitet würde, sondern weil er schlicht und einfach einen Tschick von mir schnorren wollte, den er sich dann in aller Gemütlichkeit auf´m Lokus reingezogen hat.

Ja, da wären wir also mittenmang wieder beim Leitmotiv unseres blogs, dem Leerlauf bei Vater Staat. Und glaubt mir, es ist nicht immer leicht darüber zu schreiben, wenn sich nichts aber auch garnichts tut. Tja, so sitz´ ich hier und kann wegen 42 Wochenstunden auch garnicht anders und warte darauf, daß die durch unsere Verwaltungsakte Belasteten allmählich wieder von Mallorca oder Antalya zurückkehren.

Hab schon ernsthaft darüber nachgedacht, mir ein Hobby zuzulegen, welchem man im Büro nachgehen kann. Socken und Schals häkeln ist aber nicht mein Ding und eine Modelleisenbahn aufstellen auch nicht. Da kommt dann auch wieder der Chef , will mitspielen und geht einem auf den Sack. Also liebe blog-Leser, ich bitte um konstruktive Anregungen diesbezüglich.

Montags

6.August.2007

Die Stimmung ist, wie könnte es anders sein, erstaunlich schlecht. Mit dem Gefühl, von einer Dampfwalze überrollt worden zu sein trat der OAR heute gegen 7:30 Uhr seinen Dienst an. Der sonntägliche Mountainbike-Ausflug ins Rotwandgebiet (dort wo Schnappi hin und wieder Bären abknallen läßt) hat ihm wiedermal seinen unumkehrbaren Alterungsprozeß und damit die Notwendigkeit einer mehrtägigen Regeneration vor Augen geführt und so wäre er den dienstlichen Notwendigkeiten des heutigen Tages schlichtweg unzugänglich gewesen, hätte er denn die Wahl gehabt. Die mittlerweile 80%ige Mitarbeiterabsenz in seiner Oragnisationseinheit sowie eine Unzahl systemgenerierter Termine und Wiedervorlagen machten ihm sehr schnell klar, daß nicht nur die in Bangladesh am Absaufen sind. Zudem versorgten ihn die spaßigen Damen von der Telefonzentrale mit zahlreichen Anrufen, die nun gar nichts mit ihm zu tun hatten (deren Motto, da ist wohl ein gutmütiger Trottel, der immer das Telefon abnimmt). Sich von diesem strapaziösen Wochenauftakt eine kurze Auszeit gönnend verzog er sich dann kurz vor Mittag auf den nächstgelegenen dienstlichen Lokus. Er schätzte die beruhigende und kontemplative Atmosphäre dieses Ortes, denn seit einer Woche brannte nurmehr im Vorraum Licht, was dem OAR aber nichts ausmachte, denn seine zu einem bestimmungsgemäßen Gebrauch dieses Ortes vorgesehenen Körperteile nebst der vom Dienstherren unentgeltlich gestellten ortsüblichen Accesoires konnte er auch im Dunkeln finden (nicht schlecht für einen Beamten des nichttechnischen Dienstes). Ja, nix wahr´s mit der Ruhe !  Kaum war die Hose drunten, kommt der Säckel vom Hausdienst laut scheppernd mit seiner Leiter rein, um ausgerechnet jetzt nach einer Woche eine neue Leuchtstoffröhre einzusetzen. Ich mein, er hat recht blöd geschaut, als da im Dunkeln noch jemand war. Ich zog also so schnell wie möglich Leine, murmelte noch was vom Stromsparen und suchte mir einen anderen Ort zum meditieren.

Mitarbeitermotivation

28.Juni.2007

Manchen von uns hat der berufliche Werdegang eine inhomogene Masse an Mitarbeitern ans Bein geklotzt, für die man dann Führungsverantwortung empfinden sollte. Und immer sehen sich diese Leute mit Fürhungsverantwortung mit der Dauerbaustelle Mitarbeitermotivation konfrontiert. Da hat dann jeder so seine Rezepte, zumeist wurden diese in Führungsveranstaltungen vermittelt.

Aber, es sind oft die unkonventionellen Methoden die unverhofften Erfolg bringen, wie euch folgende Anektode deutlich machen soll:

Vor nicht allzu langer Zeit begab ich mich kurz nach meiner Mittagspause, welche mit Einnahme der kollektiven Amtsverpflegung in unserer Kantine verbrachte, zu einem Kollegen. Ich mußte auf dem Weg von meiner Amtsstube in seine ein Treppenhaus durchqueren, welches von den Korridoren durch selbstschließende blickdichte Türen separiert war. Auf jedem Stockwerk gab es so links und rechts zu parallelen Gängen eine Tür.

Das Treppenhaus hat die Eigenschaft, daß man was drinnen vorging nach außen nicht hören kann, aber wenn etwas im untersten Stockwerk gesprochen wurde konnte man das im obersten kristallklar hören vice versa. 

Im Treppenhaus angekommen, konnte ich hören wie sich mindestens 2 Etagen unter mir zwei Damen entspannt über Triviales unterhielten. Nun gut, ich ging weiter, suchte den KOllegen auf und wir unterhielten uns (dienstlich) mindestens 20 Minuten. Auf dem Rückweg in meine Amtsstube kam ich wieder in besagtes Treppenhaus und, ei gugge do, die beiden KOlleginnen hatten sich warm geredet. Nichts mit Bezug zu Arbeit , wie ich hören konnte, vielmahr Weibergetratsch der klassischen Sorte (Schnittmuster austauschen, gegenseitiger Tamponwechsel, der Alte schnarcht ja sooo laut…). Gleichzeitig wurde ich eines vehement bei mir einsetzenden Verdauungsvorganges gewahr, es drückte und kniff in der Hose.

Also, ich zog locker aus der Hüfte und setzte eine größere Menge klimaschädigender Gase frei. Das ,was sich da in akustischer und olfaktorischer Hinsicht breitmachte war in jeder Hinsicht epochal. Gut, daß das Dach nicht davonflog ! Und die Kolleginnen zwei Stockwerke unter mir ?

Es wurde schlagartig totenstill, dann im nächsten Moment Laute der Fassungslosigkeit, dann schnelle Schritte und zu guter letzt das KLacken zwei Türen. ICH HATTE SIE IN IHRE BÜROS GEFURZT.

Ja Freunde, auch so kann man Mitarbeiter zum Arbeiten bringen !

Der Oberamtsrat

P.S. Meine Unterhose musste ich dann allerdings wegwerfen.

Trinkfragen

21.Juni.2007

Nachfolgendes habe ich auf dem „Schnipselfriedhof“ gefunden:

dear friends,

the day is almost at its longest in the northern hemisphere, which means that its time for the annual Midsummer Night’s Death Bingo, the aim of which is to guess how many people ‘break on through to the other side’ over the midsummer weekend (which is in a weeks time) in finland. as per usual, the rules are as follows:

– each participant guesses a number between 0 and infinity, and
– the one closest to the actual number wins a bottle of koskenkorva vodka (which usually plays a part in these premature departures from this world during the finnish midsummer).

the official bodycount used will be that of the finnish news agency stt and will includes all those who, whether under the influence or not, began their next karmic cycle due to unnatural causes between next thursday and the following monday on finnish soil, in finnish territorial waters or finnish airspace.
for first timers, here’s a few pointers:

– the usual figure is usually between 10-20, 13 seems to be a favourite…
– the number depends on a variety of factors, such as water and air temperatures and the availability and price of booze during the particular year.

the deadline for submissions is next thursday, 23:59 eastern european time.

good luck and stay safe! and those in finland, don’t become another statistic!

Da drängt sich mir natürlich – unabhängig von den mittsommernächtlichen Geschehnissen in Finnland – ein Berg von dienstlichen Fragen auf. Fehlende Statistiken, die das für diesen Fachbereich zuständige Landesamt dringend erheben sollte, sobald die Kollegen dort das Glas abgestellt haben:

  • Wie viele Beamte sind schon im Dienst „ertrunken“?
  • Wie viele Kollegen haben ihren Frust nachdienstlich letal ersäuft?
  • Wieviele Vorgesetzte sind nur deshalb so beschissen drauf, weil sie jeden Tag einen riesigen Kater mit in die Amtsstube befördern?

Für die Anmeldung weiterer Fragen zur statistischen Erhebung bin ich dankbar!

gez. Der staubige Amtsrat

Arbeitsanfang

21.Juni.2007

Komme heute morgen in meine Amststube, ein warmer Schwall schägt mit entgegen. Obwohl ich die Fenster die ganze Nacht offen ließ, war rein temperaturtechnisch nichts mehr zu bewirken. Der auf der Planstelle positionierte Thermometer zeigte stolze 26,5 Grad und lieferte damit einen weiteren Beweis für die globale Klimaerwärmung. Also, stelle ich mir die Frage, warum noch das Arbeiten anfangen, wenn das Abstellen der Aktenmappe samt Weglegen der Tagespresse schon zarte Schweißperlen auf meine Stirn zaubert ?

Ich hatte weder bereits meinen PC hochgefahren, gar meinen Hintern auf dem Bürosessel niedergelassen, noch meine Ärmelschoner angelegt und schon garnicht dem Hochglanzbild meines obersten Dienstvorgesetzten gehuldigt, da stehen mit zwei meiner begabtesten Mitarbeiter auf der Matte (ab jetzt alias Laurel und Hardy) und wollen mich mit fachlichen Problemen vollsülzen. Nun, ich reagiere wie eine Bulldogge, der der Pinscher aus dem Nachbargrundstück den Lieblingsknochen klauen will und bin die beiden binnen Windeseile los. Ich hab Sie bis Mittag nicht mehr gesehen.

was für Unmenschen das sind ! Wie kann man solche Subjekte ohne psychologisches Feingefühl nur auf Vorgesetzte loslassen !

Nach ausgiebiger Betrachtung der unten auf der Strasse vorbeipassierenden Schönheiten konnte ich mich mit Hilfe einiger Aspirin nur mühsam dem Tagesgeschäft widmen und erledigte dennoch einige Arbeiten von zugegebenermassen eher minderen intelektuellen Anforderungen.

Es grüßt euch

der Oberamtsrat 

Aus der untersten Schublade

19.Juni.2007

Ja, Freunde der vergüteten Untätigkeit, also ihr Beamten und Angestellten.

Es war mal wieder soweit, da konnte ich nicht umhin und mußte die immensen Stapel an Arbeit wegfertigen, die sich infolge meines tagelangen Nasebohrens im Dienste angesammlet hatten, Und so begab es sich, daß ich Verwaltungsakt um Verwaltungsakt unter penibelster Achtung bayerischer Verwaltungsgesetze fertigte. Leider ist der Hiwi der planstellenmäßig für den postalischen Auslauf meiner Verwaltungsendprodukte existent sein sollte gerade solches nicht und so mußte ich den ganzen Scheißdreck selber machen. Zu diesem Behufe mußte ich in meine unterste Schreibtischschublade greifen und dort ein paar mittlerweile vergilbte Postkuverts rausholen mittels derer sich die Zustellung an die Vewaltungsaktbegünstigten (auch wenn es sich beim mir stets um höchstbelastende solche handelt) bewerkstelligen ließe.

Kurz nachdem ich dies tat, breitete sich ein Geruch wie in einer alteingessenen französischen Almkäserei in meiner verträumten Amtsstube aus. Die Fliegen stürzten von der Decke wie Kamikazeflieger im Pazifikkrieg.

Heißa, ich hatte meine lange vermissten orthopädischen Einlegesohlen wieder gefunden ! Mein Senkfüße jubeln !